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Hellerauer Geschichten übern
Grünen Zipfel
Clemens Galonska eröffnet
eine Besucherinformation
Von Vera Kliemann
Ein Kremser auf dem Hellerauer Markt –
das passt zur Atmosphäre der Gartenstadt.
Ab und zu besteigt Clemens Galonska mit Gästen
des Stadtteils den Pferdewagen, und es geht in
ruhigem Schritttempo durch die Straßen mit
ihrem seltenen Flair. Manchmal fallen die Pferde
in Trab, dann werden die Passagiere ein bisschen
durchgeschüttelt. Während der Tour liest
Galonska Geschichten aus der Historie Helleraus
vor, und das Leben um 1910 wird lebendig, die
Zeit, als Heinrich Tessenow das Festspielhaus
baute, Karl Schmidt seine Werkstätten hier
errichten ließ, Richard Riemerschmid und
Hermann Muthesius Häuser der neuen Siedlung
für Arbeiter und Handwerker fertig stellten.
Bücher, Broschüren, Ausstellungen
Als der Düsseldorfer Galonska begann, sich
mit Dresden zu beschäftigen, war er fasziniert
von Hellerau und seiner Geschichte. Als Architekt
wusste er natürlich vieles von der Entstehung
der Siedlung, hatte auch über den Musiker
Emile Jaques-Dalcroze, der hier eine Schule der
rhythmischen Erziehung gründete, alles Greifbare
gelesen. "Ich machte aber die Erfahrung,
dass Interessierte, die sich heute in Hellerau
umschauen wollen, keinen Ansprechpartner haben.
Da kam mir die Idee, eine Besucherinformation
zu eröffnen."
Clemens Galonska zog mit Familie an den Grünen
Zipfel. "Markt2" heißt sein Laden
um die Ecke mit eben dieser Adresse. Galonska
vertreibt Broschüren, Bücher, Stadtpläne,
Wanderhefte, Kalender. Auch Hellerauer Säfte
kann man bei ihm kaufen. Und immer gibt es eine
kleine Ausstellung in der Besucherinformation.
Momentan sind großformatige Faksimiles des
Bühnenbildners Adolphe Appia zu sehen und
Linolschnitte von Persönlichkeiten, die Hellerau
einst weltbekannt machten – Wolf Dohrn,
Peter de Mendelssohn und andere. Ein ehemaliger
Lehrer, Michael Faßhauer, jetzt ist er Rentner,
überließ Galonska die Bilder leihweise.
"Als ich vor einem reichlichen Jahr hierher
kam und auf Entdeckungstouren ging, kam mir immer
der Vergleich mit der Fuggerstadt in Augsburg
in den Kopf. Außer diesem Kleinod habe ich
nie etwas mit Hellerau Vergleichbares gesehen.
Unser Stadtteil ist es wirklich wert, mehr Aufmerksamkeit
zu bekommen", sagt Clemens Galonska. Er hat
Kontakt zum Bürgerverein geknüpft, der
sich ebenfalls um die Pflege des historischen
Erbes und die Attraktivität Helleraus heute
bemüht. Nur durch diesen Kontakt konnte er
zu Informationen kommen, die nicht in einschlägigen
Veröffentlichungen nachzulesen sind, die
aber eine Führung durch Helleraus Straßen
besonders interessant machen.
Galonska: "Es ist unwahrscheinlich, was
Hellerauer mir alles brachten – alte Fotos,
Schriften, Erinnerungsstücke. Man merkte
richtig, wie sie sich freuen, dass sich jemand
Neues bemüht, Charakteristisches aus ihrer
Umgebung publik zu machen." Neben den Kremserfahrten
bietet die Besucherinformation auch Führungen
zu Fuß an.
Regelmäßig trifft sich am Markt 2
eine Hellerauer Runde, um künftig ein gemeinsames
Veranstaltungsprogramm herauszugeben. Diese Runde
reicht von Vertretern der 84. Grundschule, über
den Werkbund Sachsen, Mitarbeiter des Festspielhauses
bis zum Sportverein. Die Runde ist sich auch einig,
was im Hellerauer Zentrum noch fehlt – ein
gemütliches Café, um den Besuchern
den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu
machen.
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